Heiligste Dreifaltigkeit, Flein

Panoramastr. 4

74223 Flein

 

Die Kirche ist nur zu den Gottesdienstzeiten geöffnet!

 

Mesner:

Hannelore Pahlke

 

Flein war seit der durch einen Pfarrer namens Sator eingeführten Reformation 1569 ausschließlich evangelisch. Es war wie bei jenem gallischen Dorf. Ich habe recherchiert und herausgefunden, dass es trotzdem Katholiken gab, so im Jahr 1945 ca. 100 bei insgesamt 1.900 Einwohnern. Nach 1945 nahm diese Zahl allerdings enorm zu, Ende 2013 waren es 1.315. Vor allen Dingen durch die vielen Vertriebenen, z.B. aus Ungarn, Jugoslawien, Schlesien, Tschechien, der Slowakei und anderen Ländern, die hier eine neue Heimat fanden. Zunächst galt es jedoch, Wohnung und Arbeit zu finden, aber auch die Gewissheit zu haben, hier bleiben zu können.


Die Fleiner Katholiken wurden zunächst von Heilbronn-Sontheim aus betreut.
Die Gottesdienste fanden zwei mal im Monat, immer am Sonntagnachmittag, in der evangelischen St. Veits Kirche statt. Durch den damaligen evangelischen Pfarrer Eitle wurden so erste Schritte zur Ökumene getan. In einem Pfarrprotokoll vom 9. Oktober 1951 wurde bereits der Wunsch nach einer eigenen Kapelle für Flein erwähnt. Aber es dauerte dann bis zum 9. Juli 1954 bis das erste Grundstück und dann am 8. August 1954, ein weiteres gekauft wurden. Somit standen 2.498 qm Bauland zur Verfügung. Es sind dann wieder fast zwei Jahre vergangen bis die neue Kirche durch Bischof Dr. Karl Josef Leibrecht am 22. Juli 1956 geweiht wurde. Bereits am 27. Mai desselben Jahres fand die Glockenweihe im Rohbau dieses Gotteshauses statt. Unsere Kirche verfügt über zwei Glocken, die in der Glockengießerei Bachert, damals in Heilbronn, gegossen wurden. Die größere Glocke wiegt 130 kg und ist „Maria, der Königin“ geweiht, die kleinere der „Heiligen Theresa“ und sie wiegt 73 kg. Im Ton sind beide Glocken auf das Geläut der evangelischen St. Veits Kirche abgestimmt. Der Wunsch und die Idee für ein eigenes Gemeindehaus kam im Jahr 1965 auf. Hier dauerte es wieder eine lange Zeit, bis dann am 28. / 29. Juni 1975 die Einweihung stattfinden konnte. Das Haus wurde auf den Namen der „Heiligen St. Clara“ geweiht.

 

Seit dem 1. Januar 1978 gehört die Fleiner Gemeinde nunmehr zur Gemeinde Mariä Himmelfahrt in Talheim. 1990 stand dann die Umgestaltung der Kirche an.
Viele fleißige Hände halfen hier, seien es die Mitglieder der KAB oder auch viele andere Helfer. Es wurde viel Freizeit investiert, mehr als 1.000 freiwillige Arbeits-Stunden, heute kaum vorstellbar. Vor kurzem habe ich erst erfahren, dass ein Mitglied sogar 3 Wochen seines Urlaubs geopfert hat, um hier mitzuhelfen. Passendes Zitat von ihm: „Wenn es nicht Spaß gemacht hätte, hätte ich es nicht gemacht!“, passt zu ihm und so kennen wir ihn. Aber auch Bettelpredigten wurden in ferner und naher Umgebung gehalten, so kamen z.B. alleine in Berlichingen, gut bekannt durch jenen Götz, DM 800, -- zusammen. Und so konnte, nach 7-monatiger Bauzeit, am 28. Oktober 1990 durch Weihbischof Bernhard Rieger, der bereits bei der Weihe 1956 als Vikar dabei war, die Altarweihe vorgenommen werden. Bei dieser Umgestaltung wurde der Chorraum eine Stufe tiefer gelegt, das Grafitto an der Chorwand und die Bänke restauriert, die Ministranten bekamen einen eigenen Raum über der Sakristei. Auch die Sakristei wurde renoviert, auch die Heizung, die Beleuchtung und die Lautsprecheranlage wurden erneuert.
Erneuert wurden aber auch der Altar, der Tabernakel und der Ambo. Sie wurden von dem Bildhauer Gerhard Tagwerker aus gedämpftem, rötlichem Maulbronner Sandstein gefertigt. Die Brot- und Wein–Ornamente rufen uns unseren Herrn Jesus Christus ins Gedächnis. Die Tabernakel–Stele in Form des brennenden Dornbusches unterhalb der Feuerzungen an der Wand, alles passt wunderbar zusammen, bildet eine Einheit. Dies war unserem damaligen Pfarrer Pater Bernhard Weber sehr wichtig und eine Herzensangelegenheit. Auch das Grafitto lag ihm sehr am Herzen und sollte erhalten bleiben. Quellen sagen, nicht der gesamte Kirchengemeinderat war dafür, es sollte entfernt werden. Aber die Befürworter haben sich dann durchgesetzt. Und das war gut. Die Bilder auf Putz zeigen uns den Evangelisten Johannes zur Linken und Johannes den Täufer zur Rechten. In der Mitte sehen wir die Symbolik der Heiligen Dreifaltigkeit. Im Zuge einer Ausstellung „Hans Fähnle – Maler aus Flein“ im Jahr 2013, für die wir auch unsere Kirche zur Verfügung stellten, bekamen wir unseren Kreuzweg. Fähnle lebte von 1903 bis 1968. Der Kreuzweg trägt den Titel „Passion 1942“ und sind im Original Kreidezeichnungen. Jedes Bild trägt auch den Hinweis an welcher Station wir uns befinden. Im November 2013 bekam die Kirche einen neuen Innenanstrich sowie eine neue Beleuchtung wurde installiert.


Zum 01. Januar 2017 ging die bisherige Seelsorgeeinheit Neckar – Schozach, zu der auch Flein gehört, zur Kirchengemeinde St. Franziskus zusammen. Das Jahr 2018 wird auch wieder von Bauarbeiten geprägt sein. So wird die Treppe zur Kirche erneuert, ein behindertengerechter Eingang geschaffen sowie die Außenanlage neu gestaltet.

 

Lutz Pahlke

 

Heiligste Dreifaltigkeit, Flein
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Heilige Dreifaltigkeit, Flein
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Diözese Rottenburg Stuttgart